04.02.2026 PaintExpo

PaintExpo 2026 zeigt, wie KI und Automatisierung die Oberflächentechnik verändern

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind längst fester Bestandteil der industriellen Oberflächentechnik.

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind längst fester Bestandteil der industriellen Oberflächentechnik. Ob Prozessüberwachung, Qualitätssicherung, Materialeffizienz oder Anlagensteuerung – digitale Technologien verändern Lackierprozesse grundlegend und heben sie auf ein neues Leistungsniveau. Die PaintExpo greift diese Entwicklung auf und rückt intelligente, automatisierte Lösungen vom 14. bis 17. April 2026 in den Fokus, die heute bereits in der Praxis eingesetzt werden und künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen. Im engen Austausch mit Herstellern, Systemanbietern, Forschungseinrichtungen und Anwendern zeigt sich: KI ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern ein entscheidender Hebel für effizientere, nachhaltigere und stabilere Beschichtungsprozesse.

Eine feste Größe, wenn es um nachhaltige Prozesse und Fehlerminimierung im Nasslackprozess geht, ist AOM-Systems. Von AOM generierte Daten sind die Grundlage für die KI, welche die Prozesse der Kunden automatisieren und optimieren. Anwender sind damit in der Lage, mit KI die Fehler im Sprühprozess zielgerichtet und unmittelbar zu beheben. Dafür erhält der Bediener von der KI eine Mitteilung, wo exakt die Fehlerursache im Prozess liegt. Dies reduziert die Fehlproduktion und minimiert Lack-, Energie- und Stromverbrauch. Somit trägt KI nun direkt zur Ressourcenschonung und dem besseren Umgang mit Produktionsmitteln bei. „Ein großer OEM musste eine Mindestschichtdicke erreichen und legte dafür einen hohen Sicherheitsbeiwert fest, um selbst bei kleinen Prozessschwankungen die Mindestschichtdicke zu erreichen. Mit Spray von AOM kann er nun 100 % des Schichtauftrags in Echtzeit kontrollieren. Das spart massiv Schichtdicke, Material sowie alternative nachgeschaltete Kontrollen und somit bares Geld“, erläutert der Geschäftsführer Dr. Meiko Hecker anhand eines Praxisbeispiels den Nutzen für die Anwender. Während der PaintExpo liegt der Fokus von AOM-Systems auf der Integration der Sprayüberwachung direkt in den Zerstäuber.

Auch Convergent Information Technologies GmbH setzt als weltweit führender Software-Lieferant für die Lackreparatur mit Robotern verschiedene Ausprägungen von KI und maschinellem Lernen ein. „Dies ermöglicht die Automatisierung komplexer Anwendungen, welche vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen. Sie erlauben einen kürzeren Anlauf, eine größere Flexibilität der Produktion und eine schnellere Integration neuer Produkte“, erklärt Geschäftsführer Dr.-Ing Christof Eberst. Auf der PaintExpo zeigt Convergent IT die nächste Generation der automatischen Planung für die Lackreparatur mit Robotern und weitere Oberflächenprozesse. Präsentiert werden auch neue Eingabemöglichkeiten zur leichteren Roboterprogrammierung, gerade für kostengünstige Anlagen.

Bei der Dürr Systems AG steht die Automation für Nasslacksysteme im Vordergrund. Auf der PaintExpo zeigt Dürr live die oversprayfreie Lackierung mit dem EcoPaintJet und präsentiert die Weiterentwicklung des Materialversorgungssystems EcoSupplyP Core. Dies ist ein modulares Farbversorgungssystem mit Molchtechnik und kann überall dort eingesetzt werden, wo verschiedene Lackfarben in kleineren Mengen appliziert werden, wie in der Bau- und Holzindustrie oder bei Automobilzulieferern. Unverbrauchter Lack lässt sich damit nahezu vollständig zurückgewinnen, der Verbrauch von Spülmittel minimieren und der Farbwechsel beschleunigen. Mit dem EcoPaintJet hielt die oversprayfreie Lackapplikation Einzug in die industrielle Fahrzeuglackierung, welche randscharf und ohne jeglichen Overspray lackiert. Jetzt profitieren auch andere Industriezweige von dieser Lösung.

ESS Engineering Software Steyr GmbH ist Spezialist für die Automatisierung des Pre-Processing-Schritts beim Meshing. Dieses Engagement für Prozessautomatisierung erstreckt sich über den gesamten Simulationsworkflow. Die Lösungen erzielen dank Automatisierung erhebliche Zeit- und Effizienzgewinne. Eine Fahrzeugentwicklungszeit kann z.B. um bis zu einen Monat verkürzt und die Betriebskosten können um rund 30 Prozent gesenkt werden. Aber auch reduzierte Prototypkosten, schnellere Optimierungen und eine geringere Abhängigkeit von Experten lassen sich mit den Lösungen von ESS erzielen. Anstatt rund 600 kWh für die Lackierung eines Fahrzeugs, wird mit der neuen patentierten Lackiertechnologie von ESS der Energiebedarf pro Karosserie auf 200 kWh gesenkt. In Verbindung mit CO2-Reduktion, erhöhter Materialeffizienz und Abfallvermeidung dank digitaler Prototypen, sparen die Kunden von ESS signifikant Ressourcen. Auf der PaintExpo zeigt ESS eine Palette an automatisierten Prozessen und Workflows über den gesamten Simulationsablauf.

Als führender Entwickler von End-of-Arm-Tools für die sensible Oberflächenbearbeitung – wie Schleifen, Polieren oder Entgraten – besetzt die FerRobotics Compliant Robot Technology GmbH eine Schlüsselposition an der Schnittstelle von hochpräziser Mechatronik und fortschrittlicher Automatisierung. Mithilfe der patentierten Active Compliant Technology (ACT) überführt das Unternehmen feinfühlige manuelle Prozesse in die robotergestützte Serienproduktion. Die ACT-basierten Tools garantieren durch aktive Kraftregelung, automatischen Toleranzausgleich und KI-optimierte Kalibrierung eine Präzision, die zu 100 % reproduzierbaren Ergebnissen führt und perfekte Finishes selbst auf empfindlichen Oberflächen ermöglicht. Gleichzeitig steigt die Effizienz, während die Prozesssicherheit erhöht und die Ausschussrate minimiert wird. Auf der PaintExpo 2026 präsentiert FerRobotics mit dem Active Taping Kit (ATK) eine Lösung für automatisiertes Maskieren sowie eine einzigartige Methode zur Lackfehlerausbesserung auf Kunststoff (AOK 403) und neue Bearbeitungsstrategien für eine schnelle und intuitive Programmierung.

Auch in der Pulverbeschichtung sind Automation und KI ein Thema. Gema Switzerland GmbH setzt als Applikationshersteller seit geraumer Zeit auf intelligente, vernetzte Steuerungen bzw. Steuerungssoftware, wie das „MagicControl 4.0“-System, welches eine leistungsfähige Automatisierungsschnittstelle bietet. Darüber hinaus lassen sich ausgewählte Konzepte aus Industrie 4.0 gewinnbringend im Pulverbeschichtungsprozess einsetzen. Produktionsdaten werden kontinuierlich erfasst, aufbereitet und mithilfe von Tools wie dem „GemaConnect® Dashboard“ übersichtlich und informativ visualisiert. Der daraus resultierende Mehrwert für die Kunden in der Pulverbeschichtung sind Materialeinsparungen und Effizienzsteigerungen. Durch präzise Steuerung wird die Pulvermenge optimiert, was weniger Overspray und damit weniger Materialverbrauch bedeutet. KI und Automatisierung kann aber auch dazu dienen, höhere Qualität und Konsistenz zu erreichen, die Arbeitskräfte zu entlasten, Prozesskontrolle und Rückverfolgbarkeit mit vernetzten Systemen und Echtzeitdaten zu verbessern sowie die Sicherheit für das Bedienpersonal zu erhöhen. Gema präsentiert auf der PaintExpo eine Vielzahl integrierter Funktionen, welche die industrielle Pulverbeschichtung laufend verbessern und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen unterstützen.

Die Automatisierung spielt auch bei M&N Fördersysteme GmbH eine zentrale Rolle. Die Fördertechnik gewährleistet einen kontinuierlichen, stabilen Materialfluss und stellt sicher, dass alle Prozessschritte in der Oberflächentechnik exakt aufeinander abgestimmt sind. Dadurch erzielen die Kunden von M&N hohe Prozesssicherheit, Effizienz und reproduzierbare Qualität. Automatisierte Fördertechnik leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung, denn ein kontinuierlicher und präzise gesteuerter Transport der Werkstücke reduziert Stand- und Leerlaufzeiten, minimiert Nacharbeit und sorgt für eine optimale Auslastung der Beschichtungsanlagen. Dies führt zu geringerem Energieverbrauch, weniger Ausschuss und insgesamt effizienteren Prozessen. In Karlsruhe legt M&N den Fokus auf neue, weiterentwickelte Rundtakt Förderanlagen und optimierte Steuerungs- und Leitsysteme, die eine höhere Flexibilität bei Taktzeiten und Werkstückvarianten bieten, die Energieeffizienz der Antriebe verbessern und einen noch kontinuierlicheren, automatisierten Materialfluss ermöglichen.

In der Farb- und Lackentwicklung ermöglichen es ML-gestützte Analysemethoden, Formulierungen, Rezepturen und Applikationsprozesse wesentlich schneller und fundierter zu verstehen. Pi Probaligence entwickelt ML-Algorithmen, die branchenübergreifend in Produktentwicklung, Prozesssteuerung und Simulation eingesetzt werden. Diese Modelle fließen zunehmend in Steuerungssoftware ein und ermöglichen dort intelligente Vorhersagen und Assistenzfunktionen. Je datenreicher und automatisierter ein Prozess, desto wirkungsvoller können die Lösungen von Pi Probaligence eingesetzt werden. In der Produktentwicklung erlaubt ML eine dateneffiziente, explorative Versuchsplanung, die Parameterräume gezielt durchsucht. Dadurch wird entweder ein Optimum gefunden oder ein digitaler Zwilling erstellt, der komplexe reale chemische und physikalische Systeme virtuell abbildet. Auf der PaintExpo 2026 präsentiert Pi Probaligence konkrete Anwendungen aus Industrie & Forschung und stellt eine neue Oberfläche mit Steuerung in natürlicher Sprache sowie automatisierter Anbindung an bestehende Tools vor.

KI und Automatisierung als integrale Bestandteile vernetzter Beschichtungsprozesse

Die vorgestellten Anwendungen verdeutlichen, dass KI und Automatisierung in der Oberflächentechnik nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern zunehmend als integrale Bestandteile durchgängiger Prozessketten. Der Fokus verschiebt sich von Einzeloptimierungen hin zu vernetzten Systemen, in denen Prozessdaten, Qualitätsinformationen und Anlagenparameter in Echtzeit zusammengeführt und ausgewertet werden. Diese Entwicklung eröffnet neue Potenziale für reproduzierbare Qualität, Ressourceneffizienz und Prozessstabilität – setzt jedoch zugleich eine hohe Systemintegration und belastbare Datenmodelle voraus. Die PaintExpo 2026 bildet diesen technologischen Reifegrad der Branche ab und bietet eine Plattform für den fachlichen Austausch über den praktischen Einsatz, die Grenzen und die Weiterentwicklung KI-gestützter Lösungen in der industriellen Oberflächentechnik.

Ansprechpartner

Christina Siebenhüner
Pressesprecherin
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